Zentrum steigt in Politikberatung ein

Zum ersten Mal in der noch kurzen Geschichte des Vereins Zentrum selbstbestimmt Leben Gießen e.V. konnte das Vereinsteam einen Auftrag im Bereich Politikberatung erfolgreich ausführen. Im vergangenen Juli hatte das Deutsche Institut für Menschenrechte, hier im speziellen die Monitoringstelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, einen Werkvertrag ausgeschrieben. Gewünscht wurde die Erstellung einer sozialwissenschaftlichen Expertise zum Zugang zum Recht für Menschen mit Behinderung. Den Zuschlag für den Auftrag bekam das Zentrum Mitte August. In den darauffolgenden zwei Monaten wurde dann die Expertise erarbeitet und pünktlich zum 15. Oktober an das Deutsche Institut für Menschenrechte übergeben. „Ich bin persönlich sehr stolz auf diese Teamleistung“, erklärt Geschäftsführer Alexander Busam. Damit konnte das Zentrum wiederholt unter Beweis stellen, dass Menschen mit Behinderung auch im wissenschaftlichen Kontext sehr professionelle und hochwertige Ergebnisse erarbeiten können. Als Autoren bei der Expertise mitgewirkt haben Nicolas Deußer, Diana Klein, Dr. Markus Drolshagen und Alexander Busam. Im Redaktionsteam mitgearbeitet haben neben Lucas Proehl auch Elisabeth Adam. Damit konnte ein Autoren- und Redaktionsteam von Sozial- und ErziehungswissenschaftlerInnen die über 30-seitige Expertise binnen acht Wochen erstellen.  Die Expertise soll im nächsten Jahr durch das Deutsche Institut für Menschenrechte veröffentlicht werden.
Aufgrund der positiven Erfahrung und der sehr guten Resonanz bei dem Auftraggeber entschieden die Verantwortlichen im Zentrum, die Politikberatung als neuen Arbeitsbereich etablieren zu wollen. Aktuell erstellt das Zentrum im Rahmen einer freien Arbeit ein sogenanntes Policy-Paper zur Frage des Umgangs und der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bei Parteien und Fraktionen. Nach den Wahlen im September hatten viele Verbände beklagt, dass weder in Hessen noch auf Bundesebene noch Menschen mit Behinderung in den Parlamenten sitzen. Dies nahm das  Zentrum zum Anlass und befragte VertreterInnen aller im Bundestag vertretenen Parteien und Fraktionen über ihren eigenen Umgang mit der Konvention. Ausgemacht wurden dabei drei Schwerpunkte. Die Fragen gingen um die Themen Beschäftigung / Arbeit für Menschen mit Behinderung, der eigene oder fehlende Aktionsplan und Methoden und Inhalte zur Partizipation von Menschen mit Behinderung. Nachdem mittlerweile die Interviewergebnisse geordnet sind werden sie in den nächsten Wochen analysiert und im Hinblick auf die Ziele der Konvention beurteilt. Außerdem werden mögliche Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wird bis Mitte Dezember der  Öffentlichkeit vorgestellt.
Durch die vorhandenen Angestellten und Vorstandsmitglieder aber auch durch die Mitglieder des Zentrums und die enge Vernetzung innerhalb der Bewegung kann das Zentrum in Gießen nicht nur einzelne PolitikerInnen,  Fraktionen und Parteien hinsichtlich ihres Umgangs mit der Konvention bzw. mit Menschen mit Behinderung beraten. Auch Regierungen,  Verbände und öffentliche Stellen können durch spezielle Weiterbildungsangebote fit gemacht werden. Um die Arbeit zu bündeln und öffentlich darzustellen bewirbt das Zentrum die Aktivitäten rund um die Politikberatung auf der Internetseite www.behinderteexperten.de. Dort findet man auch eine Auflistung möglicher Engagements. Interessierte können sich auch melden über die Emailadresse busam@behinderteexperten.de . Geplant sind für das nächste Jahr die Entwicklung standardisierter Beratungs- und Weiterbildungsmodule, unter anderem in den Bereichen allgemeine Begleitung, Inhalte, Organisation, Veranstaltungen und die Beratung zur Erarbeitung von Aktionsplänen. 
Das ZsL Gießen  besteht seit August 2011. Neben dem Beratungsdienst engagiert sich das Zentrum im Inklusionsvorlaufprojekt "Inklusives Gießen". Die ZentrumsberaterInnen beraten nach der Peer-Counseling Methode. Die Beratungszeiten sind Montags bis Donnerstags von 9 bis 12 und Dienstags und Donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Die Beratungs- und Vereinsräume befinden sich am Ludwigsplatz 4 in Gießen. Telefonisch erreichbar ist die Beratungsstelle unter 0641-97240754 und per Email unter beratung@zsl-giessen.de. Außerdem engagiert sich der Verein im Rahmen der Interessenvertretung für die selbstbestimmte Teilhabe und Partizipation von Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens. Die Projekte und Arbeitsstellen des Vereins werden unterstützt und gefördert durch die Aktion Mensch, die Heidehof-Stiftung, die Stiftung ModusVivendi, die Hans-Magiera-Stiftung, die Stadt Gießen, das Sozialministerium Hessen, den Allgemeinen Studierendenausschuss der Uni Gießen, die Stabstelle zur UN-Behindertenrechtskonvention Hessen, die Gewerkschaften GEW und IG Metall, durch die Agentur für Arbeit Gießen und das Jobcenter Gießen. Alle hauptamtlichen MitarbeiterInnen sind Menschen mit Behinderung, ebenso wie die Vorstandssprecher. Das Zentrum arbeitet behinderungsübergreifend und engagiert sich für eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums. Alle weiteren Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins unter www.zsl-giessen.de.

Das Zentrum in einfacher Sprache:
Das Zentrum selbstbestimmt Leben Gießen ist ein Verein von und für Menschen mit Behinderung. Wir beraten und vertreten uns selbst. Wir arbeiten behinderungsübergreifend. Wir haben das Ziel, das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderung zu fördern. Wir wollen einen Beitrag leisten für mehr soziale Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderung. Wir sind Mitglied im Dachverband Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.(ISL) und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen.

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