Betroffene erklärt Autismus

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Mehr als 30 Interessierte besuchten den ersten Info-Abend im neuen Jahr des ZsL Gießen e.V. Im Rahmen des Vortrags erläuterte die selbst vom so genannten Asperger-Syndrom betroffene Dr. Andrea Bull ihre Lebensrealität. In ihrem einstündigen Vortrag räumte die promovierte Tiermedizinerin zunächst mit sämtlichen verbreiteten Vorurteilen gegenüber Menschen mit autistischen Beeinträchtigungen auf: Autisten seien weder kalt, verschlossen und gefühllos gegenüber ihrem sozialen Umfeld, noch handele es sich durchweg um Hochbegabte, die man wegen ihrer speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten bewundern müsse. Zwar lebten Autisten in einer eigenen Welt. Letztlich lebe auch jeder Nicht-Autist in seinem eigenen, durch Bewusstsein, Erfahrung und Sinneswahrnehmung geformten Lebensumfeld. Wie die Referentin berichtete, war es ihr selbst als Kind nicht möglich, mit anderen Menschen soziale Kontakte aufzubauen oder auch nur mit ihnen zu sprechen. Stattdessen galt ihr Interesse ausschließlich Tieren. Als sie dann im Alter von 42 Jahren die Diagnose Asperger-Syndrom erhalten habe, sei dies eine enorme Erleichterung angesichts der alltäglichen Reizüberflutung durch ihre Umwelt gewesen. Gleichzeitig berge eine Diagnose immer ein Stigma, könnten doch Nicht-Autisten selten damit umgehen. „Autismus ist nicht sichtbar, und wo er sichtbar wird, ist er befremdlich“, erklärte Bull. Mit dieser Aussage lassen sich die Reaktionen der Umwelt auf autistische Menschen am besten zusammenfassen. Ihren Vortrag rundete Dr. Bull mit den Anliegen ab: Menschen mit Autismus mögen als gleichwertig aber nicht gleichartig behandelt werden, Autismus dürfe nicht mehr als Schimpfwort benutzt werden, die Aufklärung über das autistische Spektrum solle durch Betroffene stattfinden. Nicht zuletzt sollten autistische Menschen vor allem mit ihrer Persönlichkeit wahrgenommen werden. Im Anschluss an den Vortrag nutzten zahlreiche Angehörige noch die Gelegenheit, von den Kämpfen zu berichten, die Menschen mit autistischen Beeinträchtigungen und deren Angehörige täglich für soziale Anerkennung und erforderliche Nachteilsausgleiche durchstehen müssen. Sowohl Dr. Bull als auch das Beratungsteam des Zentrums boten weiterführende Unterstützung im Einzelfall an. Das ZsL bietet zu folgenden Zeiten persönliche und telefonische Beratung an: Montag bis Donnertag von 9:00 bis 12:00 Uhr sowie dienstags und donnerstags Nachmittag zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. Informationen zur Beratung und zu den Infoabenden finden Sie im Internet unter www.zsl-giessen.de

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