Verein von Insolvenz bedroht

Nachfolgend ein Zeitungsbericht des Gießener Anzeigers, Seite 13, Lokales:

Ver­ein von In­sol­venz be­droht
Gies­sen (ee). Der ge­mein­nüt­zi­ge Ver­ein Zen­trum selbst­be­stimmt Le­ben Gie­ßen (ZsL) steht vor dem Aus. Be­reits in der kom­men­den Wo­che wird die Be­ra­tungs­stel­le in der Ge­schäfts­stel­le des Ver­eins am Lud­wigs­platz schlie­ßen. Der 29. Fe­bru­ar ist der letz­te Öff­nungs­tag – und dies, ob­wohl ge­ra­de im Ja­nu­ar ein Re­kord­mo­nat bei den Be­ra­tungs­leis­tun­gen ver­zeich­net wer­den konn­te.
Ob der im Sep­tem­ber 2011 ge­grün­de­te und ge­ra­de mal 30 Mit­glie­der zäh­len­de Ver­ein In­sol­venz an­mel­den muss, wird ge­ra­de von ei­nem ein­ge­schal­te­ten In­sol­ven­zan­walt ge­prüft. „Wir sind über­schul­det, er­hiel­ten zu we­nig För­de­rung und zu we­nig staat­li­che Hil­fe“, bringt es Ale­xan­der Bu­sam auf den Punkt. Lei­ti­deen des Ver­eins sind Selbst­be­stim­mung, Selbst­ver­tre­tung, In­klu­si­on und Teil­ha­be so­wie Aus­ein­an­der­set­zung mit der ei­ge­nen Be­hin­de­rung. Schwer­punkt ist der Be­ra­tungs­dienst und die da­raus ent­ste­hen­de In­te­res­sen­ver­tre­tung von und für Men­schen mit Be­hin­de­rung. Für Bu­sam ist der Ver­ein, der als ein­zi­ge selbst­ver­wal­te­te Or­ga­ni­sa­ti­on von Men­schen mit Be­hin­de­rung für Be­trof­fe­ne und de­ren An­ge­hö­ri­ge in Gie­ßen und Um­ge­bung fun­gier­te so et­was wie sein Le­bens­werk.
Von Be­ginn hat er sich ein­ge­bracht und bis im Sep­tem­ber auch das Amt des haupt­amt­li­chen Ge­schäfts­füh­rers in­ne­ge­habt. Die­ses muss­te er dann auf­grund ei­ner schwe­ren Er­kran­kung nie­der­le­gen, ar­beit­ete aber wei­ter­hin eh­ren­amt­lich für die Selbst­be­stimmt-Le­ben-Be­we­gung. Bu­sam war es, der ei­nen er­heb­li­chen An­teil am Auf­bau des Zen­trums und des Be­ra­tungs­diens­tes hat­te und zwei Mal ei­ne gro­ße För­de­rung der Ak­ti­on Mensch or­ga­ni­sier­te. Mit ins­ge­samt 250 000 Eu­ro hat die Ak­ti­on Mensch den Be­ra­tungs­dienst un­ter­stützt. Zu Hoch­zei­ten wur­den 17 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt, wo­bei es sich bei 75 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter um Be­hin­der­te han­del­te. Ak­tu­ell sind es ge­ra­de mal noch drei Mit­ar­bei­ter. Seit 2012 wur­den 600 Kli­en­ten be­ra­ten und mit 29 Kli­en­ten im Ja­nu­ar ei­ne Re­kord­zahl er­zielt. Dies hat den Ver­ein über all die Jah­re hin­weg 400 000 Eu­ro ge­kos­tet.
Wäh­rend das Hes­si­sche So­zi­al­mi­nis­te­ri­um jähr­lich die Ver­eins­ar­beit un­ter­stüt­ze und ins­ge­samt 34 000 Eu­ro zur Ver­fü­gung stel­le, ka­men von der Uni­ver­si­täts­stadt Gie­ßen ge­ra­de mal 4000 Eu­ro und vom Land­kreis Gie­ßen le­dig­lich 1000 Eu­ro. Dies war auch al­les, was der Ver­ein an öf­fent­li­cher För­de­rung er­hielt. „Oh­ne die Ak­ti­on Mensch und wei­te­re Stif­tun­gen wä­re die Fi­nan­zie­rung des Be­ra­tungs­diens­tes nie mög­lich ge­we­sen“, be­ton­te denn auch Bu­sam, der ge­ra­de auch vom Land­kreis und Uni­ver­si­täts­stadt be­son­ders ent­täuscht ist, denn dort wur­den jähr­lich För­de­ran­trä­ge ge­stellt.