Behindern ist heilbar - auch in Gießen!

Gießen (pm). Eine breite gesellschaftliche Debatte über die Frage von Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung will das Zentrum selbstbestimmt Leben Gießen e.V. mit seiner ersten Öffentlichkeitskampagne im März erreichen. Das Zentrum wird hierbei gefördert durch die Aktion Mensch, die auch den Beratungsdienst des Zentrums fördert. "Wie wollen wir in Gießen leben?" lautet die Frage, die das Zentrum an die kommunale Gesellschaft in Stadt und Landkreis Gießen stellt. Das Zentrum will die Perspektive wechseln. Es geht darum, dass diejenigen, die normalerweise nichts mit dem Thema Behinderun zu tun haben, einmal die Rolle wechseln, einmal sehen, fühlen, spüren und denken, wie es Menschen mit Behinderung sehen, in ihrer eigene Welt. Diese beginnt für alle Menschen, mit und ohne Behinderung, vor Ort, in der Stadt, in dem Dorf, wo sie leben und wohnen. Das Zentrum will aufzeigen, welche Vorurteile gegen Menschen mit Behinderung bestehen, wo es Ausgrenzung gibt und was wir alle dafür tun können, eine bessere Gesellschaft miteinander zu gestalten. Das Zentrum will den Blick weg von der sogenannten Defizitorientierung hin zur Vielfalt einer Gesellschaft wenden, die durch Inklusion nur gewinnen kann.

Im Mittelpunkt dieser Aufklärungsarbeit, die angelehnt sein soll an die aktuelle Kampagne der Bundesregierung „Behindern ist heilbar“, steht die Forderung, dass Menschen mit Behinderung als „normaler“ Teil der Gesellschaft angesehen werden sollen. Mit vier Themenflugblättern werden die Bereiche Arbeit, Bildung, Alter und Selbstbestimmung in die Öffentlichkeit eingebracht. Neben den Flugblättern wirbt das Zentrum für mehr Inklusion und Teilhabe mit drei Großflächenplakate und mit 100 Plakaten im ganzen Stadtgebiet. An drei Samstagen im März, am 10., 17. und am 24. März können sich die Gießener an einem Stand in der Fußgängerzone jeweils von 11 bis 14 Uhr informieren und von MitarbeiterInnen und Mitgliedern des Zentrums beraten lassen. Am Ende der Kampagne wird das Zentrum eine Diskussionsveranstaltung zu den Themenbereichen anbieten. Am 31. März sollen Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft mit Vertretern der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung mit den Betroffenen ins Gespräch kommen. Expertin in eigener Sache ist Lydia Schmidt. Sie war lange Jahre Beraterin zum Thema persönliche Assistenz und kann neben der professionellen auch die Betroffenensicht einbringen. Auch hat sich der Dachverband aller deutschen Zentren angekündigt. Eine Vertreterin wird die UN-Konvention in leichter Sprache vorstellen. Die Veranstaltung findet im Konzertsaal des Gießener Rathauses statt. Neben der Hilfe für Gehörlose (Induktionsschleife) werden auch Gebärdensprachdolmetscher vorhanden sein. Weitere Hilfebedarfe zur Veranstaltung können unter veranstaltungen@zsl-giessen.de mitgeteilt werden.

Bei den Flugblättern hat sich das Zentrum auf vier für die Bewegung und die Betroffenen selbst wichtige Bereiche konzentriert. Viele Menschen mit Behinderung sind zum Beispiel von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen, arbeiten in Sondereinrichtungen oder können sich keine geeigneten und barrierefreien Wohnungen leisten. Auch das Thema Assistenz, eine der wichtigsten Themenbereichen der Bewegung, sollte als Schwerpunkt wahrgenommen werden. Wichtig bei dieser ersten Kampagne des Zentrums ist vor allem die Kommunikation über die Homepage unter www.zsl-giessen.de. Dort zu finden sind Informationen zur UN-Behindertenrechtskonvention, zu den Themenbereichen Arbeit, Bildung, Altern und Selbstbestimmt Leben und weitere umfangreiche Hinweise zur Umsetzung der Konvention in Staat, Wirtschaft und Kommune.