Richtungsweisende Entscheidung getroffen

Die Mitgliederversammlung des Zentrums selbstbestimmt Leben Gießen e.V. hat am vergangenen Montagabend eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Einstimmig beschlossen die Mitglieder den Vorstand zu beauftragten, einen Assistenzdienst in Form einer gemeinnützigen GmbH zu gründen. Der Vorstand und die Geschäftsführung sollen in den kommenden Monaten die notwendigen Vorarbeiten erledigen und Gespräche führen. Ziel ist es, eine Hilfestruktur vergleichbar mit dem ambulanten Hilfsdienst des Kasseler Zentrums zu etablieren. Geschlossen werden soll vor allem die Lücke bei der persönlichen Assistenz in Stadt und Landkreis Gießen. Während es vielfache Möglichkeiten gibt in den Bereichen betreutes Wohnen, stationäre Pflege und entsprechende stationäre Wohneinrichtungen, können Menschen mit Behinderung nicht auf eine verlässliche Struktur im Bereich der persönlichen Assistenz vor Ort zurück greifen. Mit dieser Struktur soll es auch ermöglicht werden, trotz Pflege- und Hilfebedarf in der gewohnten Umgebung wohnen zu bleiben und selbstbestimmt sein eigenes Leben führen zu können. In der Vorhabenbeschreibung zur neuen Gesellschaft sind auch die Bereiche Wohnen und Arbeit berücksichtigt. Das Zentrum geht dabei von einem ganzheitlichen und klientenzentrierten Ansatz aus und versucht mit dem Vorhalten von Diensten und Services auch Lücken im Sozialraum zu schließen in den Bereichen des inklusiven Wohnens und der Teilhabe durch Arbeit.
Jetzt komme es vor allem auf den Staat und die sogenannten Kostenträger an. Das Konzept wird nach der Sommerpause den Verwaltungen vorgestellt. „Wir sind nach vielen Gesprächen vor allem innerhalb des Sozialraums Gießen mit Vereinen, Einrichtungen und Institutionen der Meinung, dass mit Hilfe unserer neuen Struktur maßgebliche Lücken für ein selbstbestimmteres Leben von Menschen mit Behinderung geschlossen werden. Damit werde der Sozialraum bereichert, man schaffe Arbeitsplätze und entwickelt Hilfen, die den Menschen in den Mittelpunkt sehen und nicht an Einrichtungen oder Abrechnungsmodellen orientiert sind. Auch hier will das Zentrum einen Kontrapunkt setzen gegen die allgegenwärtige Verwertungslogik und stellt das solidarische Konzept des selbstbestimmten Lebens dagegen.
Neben dem Beschluss zur Gründung eines Assistenzdienstes wurde nach dem Bericht des Kassenprüfer die Entlastung des Vorstand beschlossen und der neue Vorstand wurde gewählt. Ihm gehören jetzt Heike Leopold, Erika Wolf und Nicolas Deußer an.

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